Maps & Mosques – (k)eine kleine Signatur…

Eine kleine SignaturUnter dem Titel “Maps & Mosques – (k)eine kleine Signatur und die Transformation von Geoinformation und Kartographie im digitalen Zeitalter” sind wir, Tim Elrick und Georg Glasze, auf der Neuen Kulturgeographie Tagung in Bamberg am 31. Januar 2015 angetreten, die unter dem Motto der “Geographien des Kleinen” stand.

Wir gehen von der Beobachtung aus, dass die amtliche Geodaten-Verwaltung und Kartographie in Deutschland zwar spezifische Signaturen für christliche Kirchen, aber bis heute keine für die Gebetshäuser anderer Religionen (wie bspw. Synagogen und Moscheen) vorhält. Das Bundesamt für Kartographie hat zwar 2014 diesen Vorschlag oben links zur Signaturierung von Moscheen (und in ähnlicher Weise auch für Synagogen) vorgelegt – die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder hat sich diesem Vorschlag aber bislang nicht angeschlossen… Damit werden weiterhin Kirchen auf den amtlichen Karten im Zuge der Generalisierung hervorgehoben, die Gebetshäuser anderer Religionen hingegen regelmäßig „verschwiegen“: Die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee, eine der großen und repräsentativen Moscheen in Deutschland am Luisenring in Mannheim fehlt zum Beispiel auf der amtlichen Topographischen Karte 1:50.000, wohingegen die benachbarte Liebfrauenkirche eingetragen ist.

Mannheim_TK50_annotiert Vergleichendes Luftbild derzeit nicht verfügbar.
Quelle (Karte): TK50 Blatt Mannheim 2011,Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung; Quelle (Foto): Bing Maps 2015

Mit dem Boom von kommerziellen Angeboten der Geoinformation und kartographischen (Re-)Präsentation (wie Google-Maps, Bing-Maps, Nokia-Here) sowie Projekten mit “crowd“-basierter “volunteered geographic information” (wie insbesondere OpenStreetMap) hat die amtliche Geodaten-Verwaltung und Kartographie allerdings ihre privilegierte Position weitgehend eingebüßt.

Ausgehend von der Frage nach der (Re-)Präsentation von Gebetshäusern fragt der Vortrag vor diesem Hintergrund grundsätzlich danach, wie sich die Praktiken und sozio-technischen Prozesse der Erhebung, Kategorisierung, Organisation und Nutzung von Geodaten im digitalen Zeitalter verändern.

Wir haben uns über die gut besuchte Session und die spannenden Kommentare zu unserem Vortrag gefreut. Insbesondere den Hinweis von Andreas Pott, dass wir mit unserem Moschee-Beispiel Gefahr laufen, in die “Repräsentationsfalle” zu tappen (d.h. das wir die Karte dabei als “Repräsentation” einer gegebenen Wirklichkeit betrachten) fanden wir hilfreich und anregend für die weitere Arbeit am Thema.

Wer mehr zum Thema lesen will:

  • Elrick, Tim (2014): Sozialwissenschaftliche tag-Analyse mit OpenStreetMap-Daten am Beispiel religiöser Andachtsstätten in Deutschland. In: Kartographische Nachrichten 64 (3), S. 152–156.
  • Glasze, Georg (2009): Kritische Kartographie. In: Geographische Zeitschrift 97 (4), S. 181 – 191.

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