Archiv des Autors: Tim Elrick

1. Workshop des Netzwerks „Digitale Geographie“ in Erlangen

Digitale Geoinformationen durchdringen unseren Alltag auf vielfältige Weise, sei es in Form von räumlich differenzierten Marketingstrategien, als Teil digitaler Infrastrukturen oder durch staatliche Überwachungspraktiken. Zudem sind längst die Allermeisten von uns zu kontinuierlichen ProduzentInnen von Geodaten geworden, auch wenn es uns nicht immer bewusst ist. Die komplexen sozio-technischen Herstellungsprozesse all dieser Daten bleiben dabei häufig im Verborgenen und werden unhinterfragt als so genannte black boxes hingenommen.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Netzwerk „Digitale Geographie“ vom 18. bis zum 20. Februar 2016 am Institut für Geographie an der Universität Erlangen-Nürnberg zu einem Workshop getroffen, um aus einer gleichermaßen technisch wie sozialtheoretisch informierten Perspektive die Produktion digitaler Geodaten zu diskutieren. Die TeilnehmerInnen setzen sich aus GeographInnen, KartographInnen, InformatikerInnen und MedienwissenschaftlerInnen von 13 Standorten in Österreich und Deutschland zusammen. Das Programm bestand zu gleichen Teilen aus praktisch-methodischem Ausprobieren, inhaltlichen Vorträgen, sowie der Diskussion von konzeptionellen Lesetexten. Gäste von regionalen IT-Dienstleistern haben uns zudem dankenswerter Weise einen Einblick in datenbezogene Wirtschaftspraktiken vermitteln können.

Diskutiert wurden technische Aspekte, wie Störungen von GPS Signalen, Datenformaten und Austauschprotokollen, historische Wurzeln der big data-Debatte in der SoziaWorkshoplphysik oder der Quantitativen Revolution, sowie theoretische Fragen, etwa nach der Ontologie eines Datums oder nach dem Wesen von Klassifikationen und Standardisierungen.

Der Workshop knüpfte an die Veranstaltung „Digitale Geographie: Geodaten, Code und Gesellschaft“ in Erlangen im Frühjahr 2015 an. Der nächste Workshop des Netzwerks „Digitale Geographie“ wird vom 6. bis zum 8. Oktober von Till Straube (straube@geo.uni-frankfurt.de) am Institut für Humangeographie in Frankfurt/M. organisiert werden. Weitere Informationen zum Netzwerk gibt es online http://www.digitale-geographie.de/ sowie bei Dr. Tim Elrick (tim.elrick@fau.de).

Workshop „Sozialwissenschaftlichen Perspektiven auf die Produktion von digitalen Geodaten“

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Das Netzwerk „Digitale Geographie“ veranstaltet den Workshop „Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Produktion digitaler Geodaten“

Am 18.-20. Februar 2016, Institut für Geographie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften (IZ Digital) an der FAU

Immer mehr digitale Informationen liegen als geographisch lokalisierbare Daten vor. Die Nutzung dieser Geodaten berührt zahlreiche gesellschaftliche Bereiche – vom Konsum- und Produktionsbereich über diverse Infrastrukturen, die Gesundheitsversorgung bis hin zu Spielewelten. Obwohl viele Disziplinen Auswertungsmethoden dieser big spatial data entwickeln, wird die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Entstehungs-, Produktions- und Verwendungszusammenhängen dieser Daten bislang kaum gesucht. Diese Beobachtung ist Ausgangspunkt einer Serie von Workshops des Netzwerkes „Digitale Geographie“, der zur Etablierung einer solchen sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Geodaten in der deutschsprachigen Geographie und ihren Nachbarwissenschaften beitragen soll.

Der erste Workshop soll Gelegenheit zum Austausch über den Enstehungskontext von Geodaten bieten.

Bei Interesse an einer Teilnahme bitte Christian Bittner (christian.bittner@fau.de) oder Dr. Tim Elrick (tim.elrick@fau.de) kontaktieren.

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Nachlese: Geoweb-Studien auf dem Deutschen Kongress für Geographie (DKG) in Berlin

dkg-2105.logo.headerWir freuen uns, dass sozialwissenschaftliche Betrachtungen von digitalen Geographien immer mehr Interesse auch unter den deutschsprachigen Geograph*innen finden.

Die von Christian Bittner und Tim Elrick angebotene Sitzung zu „Digitaler Geoinformation und Gesellschaft“ zeigte auf, welche spannenden und innovativen Projekte sich inzwischen in der deutschsprachigen Sozial- und Kulturgeographie Fragen der Digitalisierung zugewendet haben. Michael Bauder von der Uni Freiburg zeigt die Fallstricke von automatisierten sozialwissenschaftlichen Schlüssen von georeferenzierten Fotos auf Internetplattformen auf. Matthias Plennert und Georg Glasze wiesen in ihrem Beitrag auf die Notwendigkeit und das Potenzial hin, die „black box“ Software zu öffnen und nach Pfadabhängigkeiten und damit einhergehenden Exklusionen zu suchen. Jörg Scheffer von der Uni Passau versucht, die digital augmentierte Welt mit dem Habitus-Konzept Bourdieus zu verknüpfen und eröffnet so Möglichkeiten über Ungleichheiten nachzudenken. Till Straube von der Uni Frankfurt spürt am Konzept des Geo-Stacks aus der Informationstechnologie der Frage nach, wie sich digitale Technologien räumlich denken lassen; auch er schaut dazu in und hinter die Software.

In der Sitzung von Georg Glasze und Benjamin Hennig, Uni Oxford, wurde unter starker Einbeziehung des Publikums diskutiert, wie „Geographie machen“ theoretisch und methodisch im digitalen Zeitalter gedacht werden kann. Hierzu diskutierten in einem ersten Teil die Teilnehmer die methodischen Herausforderungen in der Forschung: Harald Sterly, Uni Köln, anhand von Mobilfunkdaten, Christian Bittner an OpenStreetMap-Daten und seinen Produsern und Stefan Hennemann, Uni Gießen, an der Visualisierung von Netzwerk-Daten. Im zweiten Teil nahm sich Jörg Kosinski vom IfL in Leipzig das Verhältnis der Fachwissenschaft zu seinen Geographischen Gesellschaften an, das sich ändern müsse und lotete dabei die Potenziale digitaler Medien aus; Tine Trumpp von der Uni Köln stellte die Image-Studie zur deutschen Hochschulgeographie in der Öffentlichkeit des Verbands der Geographen an Deutschen Hochschulen (VGDH) vor und löste eine intensive Debatte über die Öffentlichkeitsarbeit in der Geographie aus, die mit der trockenen Feststellung von Marc Boeckler, Uni Frankfurt, endete: „die Geographie sei schon immer in der Krise“ (was ihr vielleicht auch gut tue). Marc Boeckler beendete die Sitzung mit inspirierenden grundsätzlichen Überlegungen dazu, wie die Digitalisierung die Gesellschaft und sozialräumliche Prozesse transformiert.

Vernetzungs-Workshop „Digitale Geoinformation“ im IZ Digital

Am Freitag, 19. Juni 2015 hatte unsere Arbeitsgruppe die Chance ergriffen, unsere Themen und Methoden den Mitgliedern und Interessierten des Interdisziplinären Zentrums „Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften“ an der FAU (IZ Digital) vorzustellen. Das IZ Digital ist ein im Juli 2014 gegründetes Netzwerk von Wissenschaftlern aus den Geistes-, Sozial- und Informationstechnischen Fachbereichen unserer Universität zur Förderung der Kooperation in den Digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften (digital humanities und digital social sciences). Um die Potenziale der einzelnen Fachbereiche kennenzulernen, bieten die Mitglieder Vernetzungs-Workshops an. Auf dem zur „Digitalen Geoinformation und Visualisierung von (Geo)-Daten“ haben Sebastian Feick eine Einführung in Geographische Informationssysteme (GIS) und Fernerkundung, Tim Elrick und Georg Glasze zu gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven auf Geodaten, sowie Franziska Bertelshofer, Christian Bittner und Matthias Plennert zur Visualisierung von (Geo-)Daten geboten. Die Vorträge lösten erfreulich rege Diskussionen zu Themen und Methoden aus, und es wurde über Einsatzmöglichkeiten in Forschungsprojekten anderer Disziplinen gesprochen. Wir freuen uns auf zukünftige Kooperation mit unseren KollegInnen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der Informatik.

Workshop „Sozialwissenschaftliche Analyse digitaler Geodaten“, 26./27. März 2015, Erlangen

Geodaten-Workshop TeilnehmerInnen Am 26. und 27. März 2015 hatten wir KollegInnen zum Austausch über sozialwissenschaftliche Aspekte der Analyse von Geodaten nach Erlangen eingeladen. Wir sind der Ansicht, dass digitale Daten, die in irgendeiner Form geographisch referenziert sind, für viele gesellschaftliche Bereiche an Bedeutung gewinnen, jedoch gleichzeitig die Wissenschaft sich bisher fast ausschließlich aus technisch-informationswissenschaftlicher Sicht mit dem Themenfeld big spatial data befasst. Der Workshop zielte darauf ab, Perspektiven und Ansätze einer sozialwissenschaftlichen Reflexion „digitaler Geographien“ zu erörtern und gleichzeitig einen diesbezüglichen Diskussionszusammenhang in der deutschsprachigen Forschungslandschaft zu etablieren. Am Workshop nahmen teil: Michael Bauder, Lea Bauer, Christian Bittner, Marc Boeckler,  Tim Elrick, Tilo Felgenhauer, Henning Füller, Georg Glasze, Tom Hoyer, Andreas Keler, Dominik Kremer, Florian Ledermann, Jana Moser, Matthias Plennert, Jörg Scheffer, Harald Sterly, Till Straube,

Auf dem rundum interessanten und erfolgreichen Treffen haben wir vereinbart, uns in Zukunft regelmäßig zu treffen. Das nächste Treffen ist am Deutschsprachigen Kongress für Geographie im Oktober in Berlin geplant. Interessenten können sich gerne noch bei uns melden.

Maps & Mosques – (k)eine kleine Signatur…

Eine kleine SignaturUnter dem Titel „Maps & Mosques – (k)eine kleine Signatur und die Transformation von Geoinformation und Kartographie im digitalen Zeitalter“ sind wir, Tim Elrick und Georg Glasze, auf der Neuen Kulturgeographie Tagung in Bamberg am 31. Januar 2015 angetreten, die unter dem Motto der „Geographien des Kleinen“ stand.

Wir gehen von der Beobachtung aus, dass die amtliche Geodaten-Verwaltung und Kartographie in Deutschland zwar spezifische Signaturen für christliche Kirchen, aber bis heute keine für die Gebetshäuser anderer Religionen (wie bspw. Synagogen und Moscheen) vorhält. Das Bundesamt für Kartographie hat zwar 2014 diesen Vorschlag oben links zur Signaturierung von Moscheen (und in ähnlicher Weise auch für Synagogen) vorgelegt – die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder hat sich diesem Vorschlag aber bislang nicht angeschlossen… Damit werden weiterhin Kirchen auf den amtlichen Karten im Zuge der Generalisierung hervorgehoben, die Gebetshäuser anderer Religionen hingegen regelmäßig „verschwiegen“: Die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee, eine der großen und repräsentativen Moscheen in Deutschland am Luisenring in Mannheim fehlt zum Beispiel auf der amtlichen Topographischen Karte 1:50.000, wohingegen die benachbarte Liebfrauenkirche eingetragen ist.

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Quelle (Karte): TK50 Blatt Mannheim 2011,Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung; Quelle (Foto): Bing Maps 2015

Mit dem Boom von kommerziellen Angeboten der Geoinformation und kartographischen (Re-)Präsentation (wie Google-Maps, Bing-Maps, Nokia-Here) sowie Projekten mit „crowd„-basierter „volunteered geographic information“ (wie insbesondere OpenStreetMap) hat die amtliche Geodaten-Verwaltung und Kartographie allerdings ihre privilegierte Position weitgehend eingebüßt.

Ausgehend von der Frage nach der (Re-)Präsentation von Gebetshäusern fragt der Vortrag vor diesem Hintergrund grundsätzlich danach, wie sich die Praktiken und sozio-technischen Prozesse der Erhebung, Kategorisierung, Organisation und Nutzung von Geodaten im digitalen Zeitalter verändern.

Wir haben uns über die gut besuchte Session und die spannenden Kommentare zu unserem Vortrag gefreut. Insbesondere den Hinweis von Andreas Pott, dass wir mit unserem Moschee-Beispiel Gefahr laufen, in die „Repräsentationsfalle“ zu tappen (d.h. das wir die Karte dabei als „Repräsentation“ einer gegebenen Wirklichkeit betrachten) fanden wir hilfreich und anregend für die weitere Arbeit am Thema.

Wer mehr zum Thema lesen will:

  • Elrick, Tim (2014): Sozialwissenschaftliche tag-Analyse mit OpenStreetMap-Daten am Beispiel religiöser Andachtsstätten in Deutschland. In: Kartographische Nachrichten 64 (3), S. 152–156.
  • Glasze, Georg (2009): Kritische Kartographie. In: Geographische Zeitschrift 97 (4), S. 181 – 191.