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DeutschlandRadio Kultur – Schwerpunkt “Boom der Kartographie” – August 2016

Das DeutschlandRadio-Kultur hat im August 2016 eine Reihe zum “Boom der Kartographie” produziert, in dem u.a. unser Kollege vom IfL in Leipzig, Sebastian Lentz, berichtet, wie “Karten unsere Weltsicht verändern” und in dem ich mit zwei Redakteuren diskutiere, wie sich Akteure und Praktiken von Kartographie und geographischer Information im digitalen Zeitalter verändern und welche Chancen und welche Risiken der Boom digitaler Geodaten birgt.

DLR Kultur Karto

Methoden-Workshop zur digitalen Geographie

Im Rahmen des von der Volkswagen-Stiftung geförderten Projekts zu „The Struggle over Identity, Morality, and Public Space in Middle Eastern Cities“, an dem auch der Lehrstuhl für Kulturgeographie beteiligt ist, empfingen im wir im Juni die DoktorandInnen Nina Nowar, Abdulsallam Alrubadi (Universität Sanaa, Yemen) und Oussama Bouffrikha (Universität Sousse, Tunesien) vom EZIRE (Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa). Auf der Basis unserer Arbeiten im Bereich der „digitalen Geographie“ konnten wir den arabischen DoktorandInnen einführende Methoden-Workshops in den Bereichen computergestützte Textanalyseverfahren (QDA, Lexikometrie)sowie Geographische Informationssysteme anbieten.

Im ersten Teil des gemeinsamen Workshops wurde das Augenmerk auf den Umgang mit sozialwissenschaftlicher Software bei der Bearbeitung geodatenbezogener Fragestellungen gerichtet. Mithilfe der Software „atlas.ti“ wurden am ausgewählten Material semantische Netzwerke und Codes im Sinne einer grounded theory erstellt, welche sich über ein neues Programmfeature georeferenzieren lassen. Dies ermöglicht eine komplexe Relationierung von Geodaten und symbolischen Ordnungen. Der zweite Schwerpunkt dieser Einheit lag in der Vermittlung lexikometrischer Methoden. Hierbei geht es um die Untersuchung quantitativer Beziehungen lexikalischer Elemente in digitalen Textkorpora, welche im Zuge der Digitalisierung immer weiterer gesellschaftlicher Bereiche immer zugänglicher werden und neue Forschungs-Perspektiven eröffnen. Gemeinsam wurden statistisch häufige und signifikante Vorkommen von Begriffsbeziehungen rund um Toponyme errechnet. Die i.d.R. sehr umfänglichen Datenmengen geben so etwa Aufschluss über die zeitlich wandelnde Konnotation von Toponymen und deren Nähe zu anderen Begriffen.

Der zweite Teil des Workshops hatte eine Einführung in Geographische Informationssysteme (GIS) zum Ziel, wobei insbesondere mit dem Software-Paket „ArcMap“ von Esri gearbeitet wurde. Dabei wurde der gesamte Prozess der Kartenerstellung anhand verschiedener Beispiele bearbeitet. Begonnen wurde mit Methoden der Datenerhebung und -gewinnung, wie das Kartieren „im Feld“ mit Hilfe von GPS-Geräten oder das Digitalisieren von Geodaten auf Grundlage von Luft- und Satellitenbildern. Zudem wurden die erhobenen Daten verarbeitet und visualisiert, um sie sinnvoll in der eigenen Forschung einsetzen zu können. Dabei dienten offen verfügbare Kartenanwendungen, wie beispielsweise OpenStreetMap, als hilfreiche Darstellungsgrundlage. Ziel war es, räumliche Informationen ohne größeren Aufwand sinnvoll kontextualisieren zu können. Nachdem die Grundzüge von GIS anhand des „ArcMap“ Software-Pakets erläutert wurden, wurde ergänzend das Open Source Projekt „QGIS“ vorgestellt. Da viele geographische, bzw. kartographische Konventionen in den meisten GIS vergleichbar sind, ist es ohne umfangreiches Einarbeiten möglich, verschiedene Anwendungen zu verwenden.

Wir hoffen wir konnten unseren Gästen eine erfolgreiche Einführung in unsere Methoden geben, sodass Sie diese sinnvoll in Ihrer Arbeit einsetzen können!

Andreas Tijé-Dra und Matthias Plennert