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Seminar Geodatenbank-Analysen

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GDBA

Im Wintersemester 2014/15 habe ich am Institut für Geographie der Uni Erlangen-Nürnberg das Seminar “Geodatenbank-Analysen” angeboten.

Wir haben dort am Beispiel der Datenbank von OpenStreetMap, exemplarisch Wege zur Erschließung, Exploration, Analyse und Visualisierung von Geodaten aufgezeigt. Dabei sollten nicht zuletzt auch soziale Dimensionen der Daten und die forschungsmethodischen Implikationen einzelner Verarbeitungsschritte deutlich werden.

Es wurde auf freie open-source-GIS-software wie Quantum GIS und PostGIS zurückgegriffen.

Als Abschlussarbeiten haben die Studierenden, anhand von selbstgewählen Fallbeispielen, gesellschaftliche Aspekte von OpenStreetMap durch Datenbank-Abfragen untersucht. Einige dieser Arbeiten werden hier zusammengestellt.

“Datenflut”: Vortragsreihe der FAU in Amberg und Ansbach

Datenflut“ lautet das Thema der diesjährigen 37. Erlanger Universitätstage in Amberg. Die unglaublichen Mengen an Daten, die tagtäglich durch die weltweit voranschreitende Digitalisierung produziert werden, sind zu einer nur noch mit komplizierten Maschinen und Programmen zu beherrschenden Flut geworden. Wie der Einzelne und die Gesellschaft mit diesem Phänomen umgehen, welche Chancen und Risiken die Digitalisierung birgt, werden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der FAU an fünf jeweils aufeinanderfolgenden Dienstagen in Vorträgen erörtern.

Vortragsreihe Datenflut

Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Vortragsreihe wird im Herbst 2016 in Ansbach fortgesetzt.

Die Vorträge im Überblick:

  • 16. Februar: In ihrem Vortrag mit dem Titel „,Außer Kontrolle und auch noch aus der Form‘: Zur Digitalisierung des Publikationswesens“ zeigt die Buchwissenschaftlerin Prof. Dr. Svenja Hagenhoff auf, inwieweit die Digitalisierung vor allem die äußere Form von Textträgern beeinflusst und das Publikationswesen grundlegend verändert.
  • 23. Februar: Der Kulturgeograph Prof. Dr. Georg Glasze wirft in seinem Vortrag „Wie Big (Spatial) Data und Crowdsourcing uns alle zu Kartographen machen – ob wir wollen oder nicht“ einen kritischen Blick auf die Herstellung und Nutzung von geographischen Daten durch Privatunternehmen, die beispielsweise durch die private Verwendung von modernen GPS-Navigationssystemen entstehen.
  • 1. März: Der Medizin-Informatiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch beleuchtet in seinem Vortrag „Der vermessene Mensch: Wissen wir, was wir alles über uns preisgeben?“ die Möglichkeiten und Herausforderungen sowie die potentiellen Risiken im Umgang mit persönlichen Kranken- und Fitnessdaten, die wir mittels Fitness-Apps und digitalen Schrittzählern erheben.
  • 8. März: In seinem Vortrag „Algorithmen, Datenkraken und gläserne Bürger: Big Data als Herausforderung für die Gesellschaftsanalyse“ geht der Soziologe Dr. Sebastian Büttner allgemeinen Trends und Entwicklungen der Datenanalyse nach und weist dabei auf deren gesellschaftspolitische Auswirkungen hin.
  • 15. März: Der Informatiker Prof. Dr. Klaus Meyer-Wegener versucht in seinem Vortrag „Erstmal einfach alles speichern: Big Data als Aufgabe für die Informatik“ den Begriff „Big Data“ zu klären, um dann verschiedene Konzepte der Datenspeicherung und -auswertung zu diskutieren.

Weitere Informationen:

Barbara Gabel-Cunningham
Tel.: 09131/85-29361
barbara.gabel-cunningham@fau.de

Artikel: Wie gestalte ich eine Karte?

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Auf Anfrage der studentischen geographischen Fachzeitschrift entgrenzt habe ich einen kurzen, praxisorientierten Beitrag zur Gestaltung von Karten geschrieben. Darin habe ich versucht zu zeigen, warum es kein Pauschalrezept zu Kartendesign geben kann. Hinter jeder Karte stehen ganz viele Entscheidungen, die nicht „richtig“ oder „falsch“ getroffen wurden, sondern “mehr oder weniger angemessen” hinsichtlich des Verwendungszwecks der Karte. Dieses Argument habe ich anhand einiger Beispiele veranschaulicht. Zudem verweist der Artikel auf einige hilfreiche vertiefende Texte, Datenquellen und Tools.

Den Artikel findet Ihr hier:

Bittner, C., 2015. Wie gestalte ich eine Karte? entgrenzt (10), 59–63.

Die lesenswerte Gesamtausgabe der Zeitschrift gibt es hier.

Lieben Dank nochmal an das engagierte entgrenzt-Team.

Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ) Heft 41/42: Beitrag zu”Neue Kartographien, neue Geographien: Weltbilder im digitalen Zeitalter”

Die APUZ beschäftigt sich in ihrem Oktober 2015-Heft mit Weltbildern. In meinem Beitrag frage ich danach, welche Weltbilder im Kontext von Neo-Kartographien und Neo-Geographien entstehen. Leider orientiert sich die Redaktion eng an den Vorschlägen des Duden und war daher nicht vom “f” in Geographie und Kartographie abzubringen ;-).

APUZ Weltbilder

Vorträge zur „Macht der Karten“ in Bayreuth und Essen – September 2015

Am 15. September habe ich im Rahmen des vom Auswärtigen Amt geförderten „Ukrainian-German-Polish moving seminar” der Geographie-Institute in Bayreuth und Lviv (Ukraine) einen Vortrag unter dem Titel „Producing geographies with geoinformation and cartographic (re-)presentations“ gehalten. Im Mittelpunkt des „moving seminar“ stand die Auseinandersetzung mit Grenzen und Territorialität – es ordnet sich damit auch hervorragend in den Schwerpunkt der Bamberg-Bayreuth-Erlangen-Kooperation der nordbayerischen Humangeographien ein. Ein Schwerpunkt des Vortrages lag daher auf der Produktion von Territorialität und Grenzen in Karten und Geoinformation (die Abbildung zeigt die unterchiedliche Darstellung der Halbinsel Krim in Google Maps – Google differenziert die Präsentation von Grenzen je nach Standort des abfragenden Rechners).

KrimIn dem Vortrag vor der Essener Geographisch-Geologischen Gesellschaft am 24. September standen in noch höherem Maße die Transformationen von Kartographie und Geoinformation im digitalen Zeitalter im Mittelpunkt.

Geoweb-Studien auf dem Deutschen Kongress für Geographie in Berlin

Auf dem Deutschen Kongress für Geographie widmen sich zahlreiche Vorträge und Fachsitzungen aus verschiedenen “geographischen” Perspektiven Fragestellungen zu den Hintergründen und Konsequenzen der fortschreitenden Digitalisierung. Das Team der Erlanger Kulturgeographie ist beteiligt an folgenden Veranstaltungen:

  • Netzwerktreffen “Digitale Geographie”; Mi. 30. September; 13:30 bis 16:00 Uhr in der Dorotheenstr. 24, Berlin im Raum 1.308
  • Fachsitzung “Digitale Geoinformation und Gesellschaft”; Fr, 2. Okt;13:30 – 16:00; HG-2095A
  • Diskussionsforum: “Geographie machen im digitalen Zeitalter”; Fr., 2. Okt.; 16:30 – 19:00; HG-2014A

Geplanter Ablauf

16.30-16-40: Begrüßung (Georg Glasze & Benjamin Hennig)

16.40-16.50 Impulsvortrag Harald Sterly: Big Data in der Geographie – Analyse von Mobilfunkdaten im Entwicklungskontext

In einem Proof of Koncept wird gezeigt, dass Mobilkommunikationsdaten dazu genutzt können, um urbane Bevölkerungsverteilung besser abschätzen zu können.

16.50-17.00 Impulsvortrag Christian Bittner: Forschungspraktische Herausforderungen für kritische Geoweb-Studien

Der Vortrag diskutiert methodologische, methodische und forschungsethische Herausforderungen für kritische Geoweb-Studien.

17.00-17.10 Impulsvortrag Stefan Hennemann: Der Gordische Knoten in der Visualisierung geographischer Netzwerkdaten

Der Vortrag skizziert den Forschungsstand zur visuellen Exploration und kartographischen Präsentation geographischer Netzwerke.

17.10-17.20 Impulsvortrag Eric Losang: Do it yourself? Die Transgressivität kartographischen Wissens

In den vergangen 10 Jahren hat sich Darstellung geographischer Information stetig von den Grundsätzen der traditionellen Kartographie entfernt. Welche Position kann ihr im Umgang mit räumlicher Information zugeschrieben werden?

 17.20-17.40 Diskussion und Überleitung zweiter Teil

 17.40-17.50 Impulsvortrag Jörg Kosinski, Anne Herrmann, Sebastian Lentz, Jana Moser: Räume vermitteln über Vermittlungsräume?! Neue Ansätze für Wissenstransfer

Das Leibniz-Institut für Länderkunde entwickelt im Projekt „Neue Vermittlungsräume“ zusammen mit Geographischen Gesellschaften neue Möglichkeiten der Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis.

17.50-18.00 Impulsvortrag Tine Trumpp: Geographie und Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter

18.00-18.10 Impulsvortrag Marc Boeckler: Digitale Geographie und die Algorithmisierung von Gesellschaft

 18-15-19.00 Diskussionsrunde: Geographie machen im digitalen Zeitalter

DFG fördert Forschungsprojekt zu Exklusionen in volunteered geographic information (VGI): OpenStreetMap und WikiMapia in Israel/Palästina

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat unseren Antrag auf Förderung eines Forschungsprojektes genehmigt , in dem wir Prozesse der sozio-technischen Exklusion in volunteered geographic information am regionalen Beispiel Israel/Palästina untersuchen. Bearbeitet wird das Projekt von Dipl.-Geogr. Christian Bittner, der bereits intensiv in die Vorstudien zu dem Projekt eingebunden war.

funded by dfgErste Ergebnisse der Vorstudien sind bereits veröffentlicht. Wir sind sicher, dass die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Geographien zu den großen Herausforderungen für die wissenschaftliche Geographie zählt. Wir bedanken uns bei den anonymen Gutachter/Gutachterinnen für ihre Ermutigung und freuen uns, dass die DFG uns unterstützt, dieses Forschungsfeld in den nächsten Jahren weiter zu entwickeln.

Vernetzungs-Workshop “Digitale Geoinformation” im IZ Digital

Am Freitag, 19. Juni 2015 hatte unsere Arbeitsgruppe die Chance ergriffen, unsere Themen und Methoden den Mitgliedern und Interessierten des Interdisziplinären Zentrums „Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften“ an der FAU (IZ Digital) vorzustellen. Das IZ Digital ist ein im Juli 2014 gegründetes Netzwerk von Wissenschaftlern aus den Geistes-, Sozial- und Informationstechnischen Fachbereichen unserer Universität zur Förderung der Kooperation in den Digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften (digital humanities und digital social sciences). Um die Potenziale der einzelnen Fachbereiche kennenzulernen, bieten die Mitglieder Vernetzungs-Workshops an. Auf dem zur “Digitalen Geoinformation und Visualisierung von (Geo)-Daten” haben Sebastian Feick eine Einführung in Geographische Informationssysteme (GIS) und Fernerkundung, Tim Elrick und Georg Glasze zu gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven auf Geodaten, sowie Franziska Bertelshofer, Christian Bittner und Matthias Plennert zur Visualisierung von (Geo-)Daten geboten. Die Vorträge lösten erfreulich rege Diskussionen zu Themen und Methoden aus, und es wurde über Einsatzmöglichkeiten in Forschungsprojekten anderer Disziplinen gesprochen. Wir freuen uns auf zukünftige Kooperation mit unseren KollegInnen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der Informatik.

Zwei Beiträge aus Lehrforschungsprojekten zu Crisis Mapping und E-Partizipation

Im aktuellen Band der Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft sind zwei Aufsätze erschienen, die wir gemeinsam mit Master-Studierenden im Rahmen einer Lehrforschung erarbeitet haben. Die Lehrforschung lief unter dem Titel “Potentiale und Grenzen kollaborativer Kartographieprojekte im Krisenmanagement und in der Stadtentwicklung.” Die Studierenden bildeten zwei Arbeitsgruppen zu den Themen Crisis Mapping und Stadtentwicklung. Das Projekt zu Crisis Mapping wurde von Georg Glasze und Cate Turk betreut. Hier haben sich die Studiereneden mit kollaborativer Krisenkartographie im Rahmen der politischen Umbrüche in Libyen und Syrien auseinandergesetzt:

Schmitt, M., Gottschlich, F., Schäfer, W., Turk, C., Glasze, G., 2014. Crisis Mapping – Eine empirische Untersuchung zu Strukturen und Praktiken partizipativer Krisen- und Konfliktkartographien während der Umbrüche in Libyen und Syrien 2011–2013. Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft 60, 57–76.

Im Projekt zur Stadtentwicklung haben die Studierenden, betreut von Benedikt Orlowski und mir Potentiale und Grenzen der E-Partizipation in stadtplanerischen Prozessen erforscht:

Franz, K., Haidl, Isabella, Hartmann, Kerstin, Lehnhoff, F., Riedmann, S., et al., 2014. E-Partizipation als neuer Impuls in stadtplanerischen Prozessen? Von den Visionen der Stadtplanenden zu den Utopien der BürgerInnen. Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft 60, 43–56.

Vielen Dank nochmal an alle Beteiligten für das Engagement!

Zudem finden sich in dem Band weitere Artikel zu digital-geographischen Themen, von Sarah Elwood, Benjamin Hennig, und weiteren mehr…

Zur Transformation des Kartenmachens im digitalen Zeitalter und der Rolle einer “Kritischen Kartographie”: die Leserbriefdebatte zum Themenheft “sozialwissenschaftliche Kartographie-, GIS- und Geoweb-Forschung”

Die Kartographischen Nachrichten haben in Heft 2/2015 unsere Reaktion (s.u. – hier als *.pdf) auf die lebhafte Debatte veröffentlicht, die unser Themenheft “sozialwissenschaftliche Kartographie-, GIS- und Geoweb-Forschung” ausgelöst hatte.

Zur Transformation des Kartenmachens im digitalen Zeitalter und der Rolle einer „Kritischen Kartographie“: die Leserbriefdebatte zum Themenheft „sozialwissenschaftliche Kartographie-, GIS- und Geoweb-Forschung“

Das von uns moderierte Themenheft der Kartographischen Nachrichten (3/2014) zur sozialwissenschaftlichen Kartographie-, GIS- und Geoweb-Forschung am Beispiel von Forschungsprojekten zu OpenStreetMap hat eine lebhafte Debatte im Leserforum der Kartographischen Nachrichten ausgelöst (siehe die Ausgaben 4/2014 und 5/2014). Angesichts der fundamentalen Transformation von Kartographie und Geoinformation im digitalen Zeitalter mit weitreichenden gesellschaftlichen Konsequenzen erscheint uns eine intensivere Diskussion zwischen akademischer Kartographie und Sozialwissenschaften notwendig und sinnvoll. Vor diesem Hintergrund waren und sind unsere Aufsätze in dem Themenheft als Beiträge für einen solchen Austausch gedacht.

Eine Lektüre der Leserbriefe der Herren Pápay, Rase und Morgenstern zeigt jedoch leider, dass die Autoren dieser Briefe sich eher bemühen, disziplinäre Grenzen zu betonen. Das mag an einigen Missverständnissen liegen, die wir im Folgenden zu klären suchen. Wenig hilfreich für das Verständnis ist jedoch in jedem Fall, wenn unsere Beiträge nur punktuell gelesen und – wie einer der Leserbriefschreiber darstellt – „nach der Lektüre der ersten Spalte beiseitegelegt“ wurden.

Nach der Lektüre der drei Briefe drängt sich der Eindruck auf, dass sich das zentrale Missverständnis an einer bestimmten Vorstellung von Kritischer Kartographie und dabei insbesondere einer bestimmten Vorstellung von Kritik festmacht. Die Leserbriefschreiber scheinen „Kritik“ alltagsweltlich als Suche von Fehlern und Mängeln zu verstehen. Kritischer Sozialwissenschaft geht es aber nicht um Fehler oder Mängel. Wie beispielsweise der französische Historiker und Philosoph Michel Foucault formuliert hat, fragt sozialwissenschaftliche Kritik viel grundsätzlicher danach, auf welchen Annahmen und unhinterfragten Denkweisen akzeptierte Praktiken basieren. Anders formuliert zeigt kritische Sozialwissenschaft auf diese Weise, dass Dinge auch immer anders gemacht werden könnten und Wahrheitsansprüche niemals unhinterfragbar und unveränderbar sind.

Aus einer solchen Perspektive erscheint der im Einleitungsaufsatz des Themenhefts erwähnte Konflikt zwischen dem deutschen Historiker Arno Peters und Vertretern der akademischen Kartographie als ein Konflikt zwischen zwei konkurrierenden Wahrheitsansprüchen: Wie Zeitzeugen berichten und Schriften von Arno Peters belegen, propagierte Arno Peters 1974 „seine“ flächentreue Projektion und „seine“ Weltkarte als „richtiges“ Weltbild und meint: als einzig richtiges Weltbild! Dabei ist den Kollegen Pápay und Rase zuzustimmen, wenn Sie schreiben, dass es in der Kartographie schon im 18. Jh. Konsens war, dass der ellipsoide Erdkörper nicht einfach auf der zweidimensionalen Karte „abgebildet“ werden kann und daher in der Fachdebatte schon viele Jahre vor Peters unterschiedliche Arten der Projektion sowie deren spezifische Vor- und Nachteile diskutiert wurden. Die zeitgenössische Stellungnahme der DGfK zur so genannten Peters-Projektion in der Fachzeitschrift „Geographische Rundschau“ 1981 arbeitet die Komplexität dieser Diskussion allerdings leider nicht heraus. Die Peters-Projektion wurde gerade nicht als ein möglicher Netzentwurf mit spezifischen Vor- und Nachteilen für bestimmte Anwendungen diskutiert, sondern in einer scharfen und abwertenden Form, d. h. polemisch, als „falsch“ bezeichnet und paradoxerweise einer anderen Kartenprojektion gegenübergestellt, die mit „Wirklichkeit“ betitelt ist (siehe auch die Grafik).

Geographische Rundschau 1981Originalabbildung aus: Deutsche Gesellschaft für Kartographie (1981): Die sogenannte Peters-Projektion. In: Geographische Rundschau 33, 334–335.

 Peters selbst hat keine Beiträge zu einer Kritischen Kartographie im oben skizzierten Sinne geliefert. Wie in unserem Einleitungsbeitrag dargestellt, hat die Kontroverse zwischen Peters und der akademischen Kartographie jedoch dazu geführt, dass überhaupt öffentlich über unterschiedliche Karten und Netzentwürfe sowie deren gesellschaftliche Hintergründe gestritten wurde und damit die „Gemachtheit“ und Kontingenz von Karten für eine breite Öffentlichkeit deutlich wurde. Insofern kann diese Kontroverse als Wegbereiter einer Diskussion im Sinne der Kritischen Kartographie gewertet werden.

Wichtige Anstöße für die inzwischen breite und international geführte Debatte um eine „Kritische Kartographie“ stellten insbesondere Publikationen des britisch-amerikanischen Kartographie-Historikers und Geographen John Brian Harley in den 1980er Jahren dar. Danach fragt eine sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kartographie erstens danach, wie die Herstellung und die Nutzung von Karten immer in spezifische gesellschaftliche Kontexte eingebettet und von diesen beeinflusst sind. Eng damit verknüpft interessiert sie sich zweitens dafür, welche spezifischen Weltbilder, welche Wahrheiten in Karten präsentiert werden – und welche nicht. Sie sensibilisiert damit für Fragen von Macht und Exklusion.

Mit der Digitalisierung und insbesondere der Verbreitung Geographischer Informationssysteme (GIS) ändern sich Prozesse und Techniken der Geoinformation und kartographischen Präsentationen seit einigen Jahrzehnten grundlegend. Die gesellschaftliche Einbettung sowie die Konsequenzen dieser Entwicklung für die Gesellschaft wurden und werden in Fortführung von Ansätzen der Kritischen Kartographie in der überwiegend englischsprachigen Debatte zu „critical GIS“ bzw. „GIS and society“ diskutiert. Seit wenigen Jahren prägen mit dem Geoweb neue Akteure digitale Geoinformationen und kartographische Präsentationen. Zu nennen sind hier einerseits kommerzielle Angebote wie Google Maps sowie Projekte, die mit dem Begriff „volunteered geographic infomation“ charakterisiert werden, wie insbesondere OpenStreetMap.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Transformation von Geoinformation und kartographischen Präsentationen nicht einfach als „Öffnung“ oder „Demokratisierung“ gefasst werden kann. Vielmehr entstehen Geoinformationen und kartographische Präsentationen auch im digitalen Zeitalter in sehr spezifischen sozialen Kontexten und (re-)produzieren spezifische Weltbilder. Die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Transformationen steckt aber in weiten Bereichen noch in den Kinderschuhen – insbesondere auch in der deutschsprachigen Debatte. Wir haben uns daher gefreut, dass sich die Kartographischen Nachrichten auch als Forum zur sozialwissenschaftlichen Reflektion dieser Transformation von Geoinformation und Kartographie verstehen.

Georg Glasze, Christian Bittner und Tim Elrick (Institut für Geographie, FAU Erlangen-Nürnberg)