Die Rolle von software für volunteered geographic information

Projektbeschreibung:

Geodaten sind im Alltag stets präsent und beeinflussen maßgeblich unsere täglichen Routinen. Sie sind sowohl Grundlage als auch Produkt für das Handeln von großen staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren. Gleichzeitig sind sie Teil eines machtvollen Diskurses, der bestimmte Weltbilder (re-)produziert und soziale Wirklichkeiten beeinflusst. Mit der Digitalisierung und Vernetzung der Erfassungs-, Bearbeitungs-, Organisations-, und Präsentationsprozesse und Inhalte erfahren Geodaten in den letzten Dekaden einen fundamentalen Wandel. Software ist für Geodaten zu einem unumgänglichen Medium geworden, welches in zahlreichen verschiedenen Formen und Funktionen auftritt.

Im Alltag werden Software-Anwendungen kaum noch aktiv wahrgenommen, geschweige denn hinterfragt. Gleichzeitig verbergen sie sehr komplexe Prozesse, welche häufig durch den Mangel an technischer Expertise verborgen bleiben. Sie bilden für so gut wie alle Nutzer Blackboxes, die ihre Mechanismen und Entscheidungen zumeist verbergen. Deshalb wird es zunehmend schwieriger, aber auch notwendiger, räumliche Informationen und ihre digitale Entstehung kritisch zu hinterfragen.

Bisher wurde Software im Kontext von Geodaten meist aus einer technisch-optimierenden Perspektive betrachtet (vgl. Studien der Geoinformatik). Zwar wurden die Effekte von Software auf die Gesellschaft durchaus im wissenschaftlichen Kontext behandelt (Kitchin und Dodge 2005, 2011; Kitchin 2014), es fehlen aber tiefgreifendere empirische Studien, die sich mit dem Medium auseinandersetzen. Solche Studien können das Verständnis von Software als sozial konstruiertes Artefakt bereichern.

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die machtvollen sozialen Fixierungen von bestimmten Kategorisierungen, Abläufen und Prozessen sowie Einschreibungen von Rollen, Aufgaben, Interessen und Ideen offenzulegen. Damit wird es möglich, die Entstehung und das Wirken von Software verstehen zu können. Als Forschungsobjekt dient dabei das OpenStreetMap-Projekt, das auf einer umfassenden Software-Architektur aufbaut. Als Fallstudien werden verschiedene Software-Komponenten herangezogen, welche mit einem genealogischen Vorgehen untersucht werden.

 

Projektbeteiligte:

M.A. Matthias Plennert und Prof. Dr. Georg Glasze in Kooperation mit Prof. Dr. Dr. Christoph Schlieder; Lehrstuhl für Kulturgeographie der Universität Bamberg

 

Literaturverzeichnis:

Kitchin, Rob (2014): The data revolution. Big data, open data, data infrastructures & their consequences. Los Angeles, California: SAGE Publications.

Kitchin, Rob; Dodge, Martin (2005): Code and the Transduction of Space. In: Annals of the Association of American Geographers 95 (1), S. 162–180. DOI: 10.1111/j.1467-8306.2005.00454.x .

Kitchin, Rob; Dodge, Martin (2011): Code/space – Software and everyday life. Cambridge, Mass: MIT Press.

 

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