Vom Map-Gardening zum Map-Guarding

Projektbeschreibung:

OpenStreetMap ist eine wiki-community mit dem erklärten Ziel, digitale Geodaten zu erheben und diese offen zur Verfügung zu stellen. Die freiwillig erhobenen und offenen Geodaten werden als Volunteered Geographic Information (VGI) bezeichnet (Goodchild 2007: 212). Bei der Geodatenerhebung, dem sogenannten mapping, gibt es in OSM keine festen räumlichen oder thematischen Grenzen. OSM hat sich so zu einem der wichtigsten Anbieter von VGI entwickelt und ist inzwischen für zahlreiche Anwendungen interessant (insbesondere Navigation und Kartendienste) – zunehmend auch für staatliche und kommerzielle Dienste.

Das Forschungsprojekt „Vom Map-Gardening zum Map-Guarding – Territoriale Administration in OpenStreetMap“ widmet sich in diesem Kontext der Pflege von Geodaten in OSM. Insbesondere bei einer offenen community ohne klare Rollen und Hierarchien ist es schwierig, einen Datenbestand aktuell, integer und fehlerfrei zu halten. Dennoch schafft es OpenStreetMap, die Geodaten in dieser Hinsicht zu pflegen. Dabei spielt insbesondere ein persönliches Verantwortungsgefühl gegenüber den selbst erstellten Geodaten eine Rolle. Das Forschungsprojekt widmet sich im Rahmen einer Abschlussarbeit der Thematik der Datenpflege als territorialer Administration.

Ausgangspunkt der Arbeit ist zunächst ein in der Datenbank gut dokumentiertes Verhalten: das Map-Gardening (McConchie 2013). Beim Map-Gardening trägt ein einzelner User wesentlich zum Datenbestand in bestimmten Gebieten bei. Das heißt, dass ein ursprünglich weißer Fleck auf der OSM-Karte in einem bestimmten Bereich von einem Nutzer mit vielen detaillierten Geoinformationen gefüllt wird. Dieser Bereich wird auch als pet-location (Mooney und Napolitano 2012: 6) bezeichnet. Die zentrale Fragestellung der Arbeit war, inwiefern nach dem erstmaligen Eintragen der Daten im Rahmen des Map-Gardenings diese vom selben Nutzer weiterhin gepflegt werden. Das Administrieren und Pflegen der Daten wurden als Map-Guarding beschrieben. Ein weiteres Ziel der Arbeit war es, das Verhalten des Map-Guarding als ein Bewachen der Geodaten zu untersuchen und weiter zu beschreiben.

Projektbeteiligte:

M.A. Matthias Plennert, Dipl-Geogr. Christian Bittner, Prof. Dr. Georg Glasze

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Map-Guarding Aktivitäten eines OSM-Nutzers im Zusammenhang mit dessen täglichen Wegen.

Grundlegend kann man die Forschungsfrage, inwiefern territoriale Administration existiert, nicht eindeutig beantworten. Es hat sich gezeigt, dass Nutzer existieren, die über eine hohe fachliche und lokale Expertise verfügen und zudem relativ gut mit der community vernetzt sind. Außerdem konnte gezeigt werden, dass pet-locations gebildet werden können. Dabei wurde herausgearbeitet, dass neben den täglichen Wegen weitere Faktoren wesentlich die Form und Lage der Territorien prägen. Zuletzt wurde deutlich, dass die Administration innerhalb der Territorien differenziert betrachtet werden muss. Es ist schwierig, Map-Gardening klar vom Map-Guarding zu trennen. Dabei bietet es sich eventuell an, eine Übergangsphase einzuführen, die das Justieren des Datenbestandes beschreibt, auf die die territoriale Administration folgt. Eine genaue zeitliche Analyse des Datenbestandes könnte das erreichen. Außerdem ist es schwierig von Map-Guarding als simples Administrieren von Inhalten zu sprechen. Es existieren eher zahlreiche Unterkategorien und Formen der Administration und des Territoriums. Dabei erstreckt sich die Administration vom Melden und Korrigieren von Fehlern, über das Aktualisieren und Pflegen von Inhalten bis hin zum Kommunizieren mit anderen community-Mitgliedern, um über Fehler aufzuklären.

Literaturverzeichnis:

Goodchild, Michael F. (2007): Citizens as sensors: the world of volunteered geography. In: GeoJournal 69 (4), S. 211–221.

McConchie, Alan (2013): From Wiki Gardening to Map Gardening: Analyzing Contribution Patterns in OpenStreetMap. State of the Map US. OpenStreetMap Foundation. San Francisco, 06.09.2013. Online verfügbar unter https://vimeo.com/68097490, zuletzt geprüft am 20.02.2016.

Mooney, Peter; Napolitano, Maurizio (2012): MVP OSM: A Tool to identify Areas of High Quality Contributor Activity in OpenStreetMap. In: The SoC Bulletin, zuletzt geprüft am 29.10.2012.