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Analyzing the hidden backbone of an open-data-project: a genealogy of the OpenStreetMap data model. Vortrag auf dem AAG Annual Meeting in San Francisco.

Ende März konnte ich auf dem AAG Annual Meeting in San Francisco die aktuellen Ergebnisse meiner Forschung präsentieren. Eine Reihe von Sessions mit dem Titel „Toward a Geographical Software Studies“ haben sich der zunehmenden Bedeutung von Software und Informatik im gesellschaftlichen Kontext aus der Perspektive der Geographie gewidmet. In einer dieser Sitzungen mit dem Thema „Language and tools“ habe ich einige Aspekte eines aktuellen Publikationsprojektes vorgestellt.

In meinem Vortrag „Analyzing the Hidden Backbone of an Open-Data-Project. A Genealogy of the OpenStreetMap Data Model” legte ich den Fokus auf einen bestimmten technischen Aspekt in der Entwicklung des OSM-Projekts, welcher immense Wirkungen entfaltete – das Attributierungssystem. Dieses, so mein Argument, wurde durch die Technologie des sogenannten „Social Tagging“ zum wesentlichen Erfolgsfaktor des OSM-Projekts. „Social Tagging“, häufig auch unter dem Begriff „Folksonomies“ bekannt, bezeichnet die kollaborative und offene Verschlagwortung von Inhalten. In OSM bedeutete dies, dass Geodaten ohne ein zuvor spezifiziertes Klassifizierungsschema erhoben und von Nutzern nach eigenem Ermessen mit Semantik versehen werden kann. Dabei zeigte sich jedoch bald, dass „Social Tagging“ nicht nur für die Attributierung von Inhalten beitrug, sondern auch durch seine Flexibilität das Ausgleichen von Unzulänglichkeiten des Datenmodells ermöglichte und somit ganz wesentlich zum Erfolg von OSM als VGI-Projekt beitrug.

Als Analyse führte ich eine Genealogie des Attributierungssystems, also eine Rekonstruktion seiner historischen Entstehung, durch. Dabei legte ich ein besonderes Augenmerk auf die sozialen Aushandlungsprozesse im Entwicklungsprozess, die mit der Fixierung von Technologien verbunden sind. Am Beispiel des „Social Taggings“ wurde mit diese Herangehensweise deutlich, dass die Einführung der Technologie durch eine einzelne Person forciert wurde. Überraschend war dieses Ergebnis insofern, als dass einige andere Technologien in OSM erst nach einem langsamen und zähen Sedimentierungsprozess fixiert wurden. Dadurch zeigten sich die Heterogenität und Unvorhersehbarkeit des Entwicklungsprozesses der OSM-Software, sowie die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit ebendieser. Der Vortrag reihte sich ein in andere Präsentationen, welche ebenfalls mit einer technischen Perspektive versuchten, Software zu verstehen. Dadurch ergaben sich zahlreiche Anknüpfungs- und Diskussionspunkte im Anschluss der Präsentation.

 

Matthias Plennert

Anwendungsreif? Nutzung und Potenzial von digitalen Geodaten für Stadtforschung und Raumbeobachtung – Vortrag auf der Statistischen Woche in Hamburg

Am Donnerstag, den 17. September waren wir eingeladen im Rahmen der Statistischen Woche in Hamburg einen Vortrag zum Thema „Anwendungsreif? Nutzung und Potenzial von digitalen Geodaten für Stadtforschung und Raumbeobachtung“ zu halten. Die Tagung wurde in Kooperation mit dem Verband Deutscher Städtestatistiker (VDst) organisiert und stellte daher dieses Jahr vor allem städtische Themen in den Mittelpunkt. In der Vortragsreihe „Jenseits von Registern und Umfragen: Nutzung und Potenzial von neuen Datenquellen für Planung und Politik“ haben wir einen Einstiegsvortrag in die Thematik gehalten.

Wir präsentierten einen Überblick über die diversen Quellen von digitalen Geodaten, die für die Stadtraumbeobachtung zur Verfügung stehen. Dabei haben wir die unterschiedliche Datengenerierung (institutionalisiert/crowd-sourced) sowie Zugänglichkeit (proprietär/offen) erläutert und sind auf die Versprechen von Big Data eingegangen. Mehrere Fallstudien zeigten die derzeitige Nutzung von digitalen Geodaten in die Stadtforschung. Daraus abgeleitet haben wir die Chancen und Herausforderungen einer Nutzung dieser Daten durch Stadtverwaltungen und Stadtstatistik zusammengefasst.

Daraufhin haben wir diese Herausforderungen und Chancen am Fallbeispiel OpenStreetMap (OSM) konkretisiert. Die Vorteile von OSM-Daten haben wir am Beispiel eines Leerstandsmonitoring sowie einer Evaluierung einer Landnutzungskartierung demonstriert. Gleichzeitig zeigten wir anhand der Diskussion um Datenqualität, insbesondere ausgelöst durch das Long-Tail Phänomen, die Herausforderungen auf. Der Vortrag endete mit möglichen Lösungsansätzen, wie eine hohe Datenqualität bei der besondere Datenstruktur von OSM gewährleistet werden kann.

Der rege Andrang sowie das positive Feedback bestätigten uns die Bedeutung der Thematik sowie die Anschaulichkeit unseres Vortrags.

 

Tim Elrick und Matthias Plennert